Kommentar: Im Angesicht des Verbrechens



Quotenkiller:

Ein zorniger Nachtritt von Michael Wuliger.

In der Schmattesbranche nennt man so was verramschen. Die ARD hat am Freitag die letzten drei Folgen der Serie „Im Angesicht des Verbrechens“ ab 21:45 Uhr hintereinander versendet. Die preisgekrönte Geschichte aus dem Milieu der Russenmafia in Berlin, in der– selten genug im deutschen TV – Juden ganz unspektakulär vorkommen,  macht nicht genügend Quote. Das ist nicht nur ein respektloser Umgang mit der künstlerischen Arbeit von Regisseur Dominik Graf und seinem Team, es ist auch eine Unverschämtheit gegenüber den immerhin zwei Millionen regelmäßigen Zuschauern der Serie. RTL oder SAT1 würde man eine solche Programmpolitik noch nachsehen. Als kommerzielle Sender sind sie auf Quote und Werbeeinnahmen angewiesen. Aber die Öffentlich-Rechtlichen bekommen von jedem von uns  vierteljährlich 53,94 Euro Zwangsgebühren, just um eben nicht allein nach Einschaltzahlen ihr Programm zu machen, sondern auch nach Qualität. Aber die findet bei ARD und ZDF immer seltener, und wenn,  meist nur noch zu nachtschlafender Zeit statt. Auf diese Art öffentlich-rechtliches Fernsehen kann man auch gleich verzichten.

Michael Wuliger

Diesen berechtigten Nachtritt finden Sie auch hier.

Das Begleitbuch zur Serie hier.

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  • Askanidos

    Preisgekrönt hin oder her: Diese Serie ist von Dramaturgie, Regie und Schauspielerleistung her eine Zumutung. Was man bei einem Tatort über 90 Minuten mühsam erträgt, wächst sich bei einer Dehnung auf mehrere Stunden eben zum Albtraum aus.

    Und der Hinweis auf das ‘unspektakuläre’ Vorkommen von Juden zeigt, dass ebendieses Auftreten dem Nachtreter einen besonderen Hinweis wert ist. Diese Besessenheit wird nie enden…